Darstellung eines römischen Malers, 1. Jh.
Meine Freunde bei den Flavii nennen mich Pictor, den Maler. Dieser Beruf hatte im antiken Rom einen guten und
schlechten Ruf. Plinius der Ältere berichtet, dass Malerinnen und Maler einerseits geschätzt waren für ihr Können, die Malerei andererseits im standesbewussten Rom trotzdem nur eine
"Gebrauchskunst" war, ein Handwerk, das von Menschen auch aus den untersten Schichten ausgeübt wurde (im Gegensatz z. B. zur angesehenen Redekunst).
Unser heutiges Bild der Antike ist geprägt von weissen Statuen, wie man sie aus Museen und Historienfilmen kennt. Die Antike war jedoch bunt, die überwiegende Mehrzahl der
Statuen war bemalt. Der berühmte Bildhauer Lysippos sagte von seinen Kunstwerken, "die besten seien diejenigen, die der Maler Nikias bemalt habe". Neben – und vor – den bunten Statuen gab es aber
auch viele gemalte Bilder. Jede Amtsstube musste ein offizielles Kaiserbild zeigen, die Häuser nicht nur wohlhabender Bürger hatten gemalte und geformte Abbilder der Ahnen, und in den Tempeln
hingen Gemälde wie heutzutage in Kirchen und Museen. Von dieser Kunst sind uns aus dem ganzen Imperium heute nur eine Handvoll Exemplare überliefert.
Ich möchte dazu beitragen, dass sich heutige Besucher meiner kleinen Show die Antike bunter vorstellen. Wenn ich also die alten Farben mische und den Pinsel schwinge, möchte ich
selber ein lebendiges Bild schaffen, wie ein Beruf der Antike aussah – und wie weit er sich vom heutigen Maler oder auch Gebrauchsgrafiker unterscheidet. Gleichzeitig möchte ich mit beschriebenen
Tafeln und Buchrollen ein Stück der antiken Informationsgesellschaft zeigen, welche einen maßgeblichen Teil des Erfolgs des römischen Reichs darstellt.
Die Formate, Techniken und Methoden hierfür habe ich mir aus Büchern, in Museen und von experimentalarchäologischen Vorbildern zusammengelesen und zum Teil selbst erarbeitet,
dabei bin ich noch längst nicht am Ende der Reise – die in der Antike weit verbreitete Malerei mit heissem Wachs (Enkaustik) werde ich auch noch in Angriff nehmen. Auch bei den Motiven kann ich
mich an nur wenigen "echten" Vorbildern orientieren – den Rest muss ich mir aus Fresken, Mosaiken und Reliefs zusammensuchen. Die wissenschaftliche Angreifbarkeit dieser Suche ist mir bewusst.
Ich muss sie in Kauf nehmen. Ständiges Dazulernen und Verbessern ist Teil der Aufgabe, die ich mir gestellt habe, vita vigilia est, Angekommensein ist Stillstand.
Quellen:
G. Plinius Secundus, Naturgeschichte
Eraclius, Die Farben und Künste der Römer
E. Berger, Die Maltechnik des Altertums, München 1904
P. Stewart, The Social History of Roman Art, Cambridge 2008
M. Reuter / M. Scholz, Geritzt und Entziffert, Aalen 2004
N. Assmann (Hsg.) Bunte Götter (Ausstellungskatalog)
R. Ling, Roman Painting, Cambridge 1991
Kremer Pigmente, Seminar zur Herstellung von Pigmenten
British Museum, London
Römermuseum im APX, Xanten
Römisch-Germanisches Museum Köln
Museum für Altertumskunde, München
Beispiele 2008 - 2011
Der Severianische Tondo (Original im Berliner Antikenmuseum), in vier Phasen. Vorzeichnung in Rötel. Bislang mein Liebling unter den Bildern :-) (2009/10).
Pinsel aus Rohr und Borsten, noch nicht getestet (2011).
Live Action Schildbemalung in Pohl (2011)
Baustelle





